14 Jahre Schule wegen schlechter Politik?

Ein vom Kultusministerium zwangsverordnetes Abitur nach 14 Jahren wäre den betroffenen Schülern gegenüber unfair. Landesvorsitzender der Schüler Union Niedersachsen erwartet die Beantwortung der Anfrage im niedersächsischen Landtag mit großer Sorge.

Wie das Kultusministerium verlauten ließ, soll den Schülerinnen und Schülern insbesondere aus Oberschulen und Realschulen im Schuljahr 2017/2018 die Möglichkeit gegeben werden, das Abitur nach 13 Jahren abzulegen. Dafür sollen an 22 Schulstandorten in Niedersachsen Lerngruppen und nach Schulzweigen gegliederte kooperative Gesamtschulen als Einführungsphase eingerichtet werden. Ohne diese Maßnahme könnten jene Schüler von den Oberschulen und Realschulen ihr Abitur erst nach 14 Jahren ablegen, weil es, bedingt durch die Einführung des „G9“-Modells, 2017/2018 keine reguläre Einführungsphase am Gymnasium geben wird.

Der Zugang zu dieser gesonderten Einführungsphase erfordert laut Kultusministerium den Erweiterten Sekundarabschluss I. Diesen erhalten Schülerinnen und Schüler nach der erfolgreichen Vollendung der Sekundarstufe I, also nach der 10. Klasse.

Wenn ein Gymnasiast das Klassenziel in der 10. Klasse im vorangegangenen Schuljahr 2016/2017 nun nicht erreichen würde, dann hieße das für ihn, dass er sein Abitur erst nach 14 Jahren ablegen könnte. Im Schuljahr 2016/2017 erreicht er nämlich nicht den Erweiterten Sekundarabschluss I, der für den Zugang zur gesonderten Einführungsphase im folgenden Schuljahr 2016/2017 notwendig wäre.

Der Landesvorsitzende der Schüler Union Niedersachsen, Phil-Levin Scholz erwartet die Beantwortung der Anfrage im niedersächsischen Landtag mit großer Sorge: „Scheitern sollte nicht bestraft werden, erst recht nicht in jungen Jahren. Ziel einer guten Bildungspolitik muss die Sicherung fairer Chancen für alle Schülerinnen und Schüler und nicht die Benachteiligung Einzelner sein. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass Gymnasiasten derart benachteiligt werden, ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Gymnasiasten. Bildung muss fair bleiben. Eine vereinzelte Benachteiligung von Gymnasiasten ist nicht fair.“

 

Lehrer müssen an den Gymnasien bleiben!

Zurzeit fordert die Landesschulbehörde Gymnasien auf, Lehrer an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen abzugeben. Grund dafür sei eine sich abzeichnende „intensive Unterversorgung“ an mehreren Schulen der genannten Schulformen. Betroffen von der Aufforderung sind vor allem Gymnasien. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ hätten auch Gesamtschulen ein entsprechendes Schreiben erhalten, sicher ist dies aktuell nicht.

Die Schüler Union Niedersachsen kritisiert diese Aufforderung deutlich: „Zum einen handelt es sich um ein Eingeständnis, dass die Unterrichtsversorgung tatsächlich so schlecht ist, wie befürchtet. Zum anderen kann es nicht sein, dass dafür jetzt Gymnasien Lehrer abgeben sollen. Auch hier ist die Unterrichtsversorgung bereits deutlich gesunken!“, so Anna Grill, Landesvorsitzende der Schüler Union.

School child with teacher in classroom.

Zwar könnten die Schulen als Gegenleistung pro Versetzung eine neue Stelle zugewiesen bekommen. Es sei jedoch fraglich, wie schnell diese neuen Stellen dann besetzt werden könnten. Nur weil eine Stelle geplant sei, wäre noch nicht sichergestellt, dass sie auch besetzt werde. „Für die betroffenen Schulformen finden sich offensichtlich nicht genug Lehrer – aber für Gymnasien sollen nach einer Versetzung dann plötzlich wieder genug zur Verfügung stehen?“, hinterfragt Grill. Es handele sich ohne Zweifel einmal mehr um einen Angriff auf die Gymnasien. Die einzige Schulform, an der die Unterrichtsversorgung noch halbwegs intakt sei, würde erneut geschwächt.

Landespressesprecher Johannis Wilbertz ergänzt: „Das grenzt schon fast an Sozialismus! Die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien ist schlecht, die an den anderen Schulen sehr schlecht. Da kann es nicht sein, dass die Gymnasien Lehrer abgeben, damit die Versorgung letztendlich überall “nur” schlecht ist!“

Die Kultusministerin spreche hingegen von einem „bewährten Verfahren“. Bewährt habe sich laut Schüler Union jedoch höchstens das Geschick von Heiligenstadt, die Qualität der niedersächsischen Schulen zu schwächen.

Höhere Lehrerarbeitszeiten sind kontraproduktiv

Der niedersächsische Landesverband der Schüler Union (SU) spricht sich entschieden gegen die Pläne der rot-grünen Landesregierung aus, die eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer und die Abschaffung der Altersermäßigung bei der Arbeitszeit vorsehen.

Oliver Oswald, Landesvorsitzender der Schüler Union, erklärt: „Die Landesregierung um Kultusministerin Frauke Heiligenstadt steuert mit ihren Plänen zur Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer direkt auf weniger Qualität im Unterricht zu und widerspricht damit ihren eigenen Zielsetzungen. Offenbar unterschätzt die Ministerin den Arbeitsaufwand für Lehrer und an welchen Belastungsgrenzen viele schon jetzt arbeiten! Die reale Arbeitszeit liegt deutlich höher als nur die bloße Unterrichtszeit.“ Da sei eine Erhöhung der Arbeitszeiten geradezu zynisch gegenüber der Lehrerschaft. Auch sei eine Steigerung der Unterrichtsverpflichtung bei Lehrern anderer Schulformen nun auf lange Sicht wahrscheinlich. „Der offene Protest sämtlicher Lehrerverbände und Gewerkschaften ist für uns absolut nachvollziehbar.“

Weiter meint Oswald: „Besonders auf Grundlage der bevorstehenden Herausforderungen wie Inklusion und vermehrtem Ganztagsschulbetrieb an Schulen, ist es das falsche Signal bei Lehrern zu sparen, indem man die vorhandenen noch länger arbeiten lässt. Das einzig richtige in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ist es, Geld in die Bildung zu investieren und nicht an ihr zu sparen! Wir brauchen mehr Lehrer und werden unsere Probleme nicht einfach durch vermehrte Belastung der vorhandenen lösen!“
Die beruflichen Aufgaben eines Lehrers hätten sich in den letzten Jahren so drastisch verändert, dass Aufgaben wie die Vorbereitung von Schulstunden, die Korrektur von Klassenarbeiten oder Elterngespräche neben der Verwaltungstätigkeit mehr als 40 Prozent der Lehrerarbeit ausmachten.

„Die Schüler Union Niedersachsen protestiert aus diesen Gründen massiv gegen die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer. Rot-Grün begeht einen offenen Widerspruch zu ihrer ausgerufenen ‘Zukunftsoffensive Bildung’!“