Mit dem Gender Mainstreaming an die Wand

Schüler Union diskutiert mit Eva Herman über Schul- und Familienpolitik

1310 Tage nachdem die bekannte Tagesschausprecherin und Moderatorin Eva Herman von Johannes B. Kerner aus seiner Sendung geworfen wurde, traf die Schüler Union Niedersachsen auf die streitbare Buchautorin, um mit ihr über die bildungs- und familienpolitischen Herausforderungen dieser Tage zu sprechen.

Schon im Vorfeld des SU-Themenabends wurde heiß diskutiert: Soll man eine Frau einladen, die eine scheinbar krasse Außenseiterposition einnimmt? Lohnt es sich überhaupt mit Eva Herman über Familienpolitik zu debattieren? Am Ende der Diskussion konnten durchweg alle Teilnehmer bestätigen, dass sich die Diskussion mit der kontroversen Hamburgerin auf jeden Fall gelohnt hat.
“Entschuldigt bitte, aber ich habe meinen kleinen Hund mitgenommen”, waren die ersten Worte der Frau, die zwanzig Jahre lang die Tagesschau moderierte.
Sympathisch, freundlich, konstruktiv: Der erste Eindruck von Eva Herman sollte sich im Laufe eines sehr intensiven Abends durchweg bestätigen.

Herman berichtete von der Zeit ihres ersten “Skandal” Buches. “Das Eva Prinzip”, 2006 erschienen, berichtet dies über den Zersetzungsprozess der Familien in Deutschland und löste erste Wellen der Erregung, aber auch der Zustimmung aus. Das Nachfolgebuch “Das Prinzip Arche Noah” und die dazugehörige Buchvorstellung in Berlin führte letztendlich zu einer noch größeren mediellen Empörung und der Tatsache, dass der NDR ihr als Arbeitgeber die Moderationen entzogen hat. “Natürlich war es eine schlimme Zeit für mich, alte Freunde wandten sich von mir ab. Nun habe ich ein bisschen Abstand gewonnen und stehe da drüber”, so Herman zu dem Empfinden der letzten Jahre.

Herman sieht in der derzeitigen Bildungs- und Familienpolitik enorme Probleme. “Wir müssen eine katastrophale Politik des Krippenausbaus beobachten. Ein Beförderung der Trennung von unter dreijährigen Kindern von der Mutter und die Probleme durch wechselnde Bezugspersonen lassen sich überhaupt nicht von den Entscheidungsträgern abschätzen. Die Entwicklung der familiären Bindung, der Emotion und der Liebe bleibt zurück, was Auswirkungen auf das gesamte weitere Leben haben kann”, so die 52jährige. Darüber hinaus bereitet ihr der Ausbau der Ganztagsschulbetreuung Sorgen: “Die so wichtige Institution der Familie wird somit nur noch weiter aufgehebelt, es wird alles getan, um diese Bindung zu zerstören. Dies geschieht im Zuge eines Gender Mainstreaming – Wahns, der Einzug insbesondere in der UN und der EU gehalten hat.” Zu dem Prinzip des Gender Mainstreaming gehöre nach Herman nicht nur eine Zerstörung der familiären Struktur, es geht auch um eine Verletzung der natürlichen Prinzipien, insbesondere was Geschlechterrollen angeht. Herman weiter: “Alternative Lebensformen wie Homosexualität, ja gar Pädophilie oder Sodomie werden besonders von der politisch Linken hochgehalten, angetrieben auch von einem aggressiven Feminismus, der seinen Hass auf die Männer gerichtet hat. Wir brauchen eine ganz andere Denkweise auch in der Finanz- und Steuerpolitik, welche eine wirkliche Wahlfreiheit von Familie und Beruf zulässt, ansonsten werden Kinder in Deutschland weiter als Problemfälle angesehen. Die Familien müssen finanziell gestärkt werden, um eine bessere Betreuung zu Hause gewährleisten zu können.” Unter diesem Aspekt wurde in der offenen Diskussion beispielsweise ein finanzieller Zuschuss an Familien angedacht, die ihre Kinder nicht in die Krippenbetreuung geben, sondern zu Hause erziehen. Herman: “Jeder Krippenplatz kostet pro Monat ganz locker 1000 Euro. Eine wirkliche Wahlfreiheit würde bedeuten, dieses Geld bei einer Nichtnutzung den Familien zukommen zu lassen. Wenn die Politik nicht einlenkt wird sich Deutschland selber abschaffen – mit der Waffe der Demographie.”

Auf die Frage, wie sie diese Thesen verbreiten könne, obwohl gerade sie keinen mustergültigen Verlauf von Ehe und Familie absolviert hat, antwortete Herman, dass sie von einem Karrierestreben und der Ideologie einer falschen Emanzipation geblendet war. “Ich habe mir eingeredet, dass Ruhm das wahre Leben sei. Eines Tages merkte ich, dass es mehr im Leben gibt, dass Kinder und eine intakte Familie die wahre Lebensfreude und die wahre Erfüllung darstellen”, so Eva Herman.

Die Schüler Union traf auf eine tapfere und aufrichtige Frau, der viel Unrecht getan wurde. Vorverurteilungen und Diffamierungen durch die Medien sollten sie kaputt machen, bestärkten sie jedoch in ihrer Absicht ihren Gedanken weiterzutragen. Herman richtete am Ende der Diskussion das Wort explizit nochmal an die teilnehmenden Jungpolitiker: “In eurer Hand liegt die Zukunft, gestaltet sie richtig und bleibt standfest, lasst euch nicht von falschen Werten blenden.” Dass sie in der letzten Zeit nach dem Auftritt bei Kerner mehrere Prozesse, Schadensersatzklagen und Unterlassungsforderungen vor Gericht gewann, war selten in der Zeitung zu lesen; “die öffentliche und die veröffentlichte Meinung sind klar zu trennen, vertraut nicht immer dem, was in den Nachrichten gesagt wird.”