Schüler Union Niedersachsen: „Oberstufenreform missachtet die Interessen der Schülerinnen und Schüler“ – Cordes: „Niedersachsen Gymnasien auf dem Weg von der Qualitäts- zur Zwangschule“

Zur Reform der gymnasialen Oberstufe hat sich der Landesvorsitzende der Schüler Union (SU) Niedersachsen, Till Cordes, heute mit scharfer Kritik zu Wort gemeldet. In Zukunft würden die Gymnasiasten bei der Wahl von Profilfächern (den bisherigen Leistungskursen) nur noch zwischen wenigen von der Schule vorgegebenen Fächerkombinationen wählen können. Die abiturrelevanten Leistungskurse müssen dabei aus einem Fachgebiet stammen. Eigene Fachkombinationen aus verschiedenen Fachbereichen, wie sie heute üblich sind, werden nicht mehr zugelassen sein.

„Mit der heute verabschiedeten Neuordnung der gymnasialen Oberstufe missachtet die Landesregierung die Interessen der Schülerinnen und Schüler“ so der Vorsitzende der Schüler Union (SU) Niedersachsen, Till Cordes (18) aus Grünendeich (Altes Land). Die Reform nehme den Schülerinnen und Schülern die Freiheit sich nach den eigenen Neigungen auf das Studium vorzubereiten, so der Gymnasiast weiter. „Kein niedersächsischer Schüler wird in Zukunft beispielsweise Englisch und Physik zugleich als Schwerpunktfächer wählen können. Stattdessen werden die Jugendlichen in Einheitsraster gezwängt, die ihren Interessen nicht entsprechen.“

Der niedersächsische Kultusminister Busemann hatte heute in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass das Unterrichtsangebot nicht mehr vom „Nachfrageverhalten der Schülerinnen und Schüler“ abhängig sei. „Gerade auf dem Land werden viele Abiturienten unter der Reform zu leiden haben. Wenn dort ein Gymnasium nur zwei Profilfachkombinationen anbietet, wird ein Großteil der Schülerinnen und Schüler Schwerpunkte wählen müssen, die nicht ihren Neigungen entsprechen. Frust und geringere Leistungen sind vorprogrammiert“ stellte Cordes heraus. „Die aus dem neuen System resultierende Abschaffung des Kurssystems und damit verbundene Rückkehr zum Unterricht im Klassenverband ist ein gravierender Einschnitt in die Freiheit unserer Mitschülerinnen und Mitschüler. Wer die jungen Menschen wirklich fit für den Arbeitsmarkt machen will, darf ihnen nicht alles bis in kleinste Details vorschreiben. Man muss ihnen auch Raum für eigenverantwortliches Handeln geben. 34 verpflichtende Wochenstunden machen die Schule von der Lern- zur Lehrfabrik.”

Cordes bedauerte zugleich, dass die Reform nicht dafür genutzt wurde, das Fach „Politik/Wirtschaft“ als verbindliches Fach für die gesamte gymnasiale Oberstufe einzuführen, sondern nur für das erste Jahr der Qualifikationsphase. Gerade die zusätzliche Aufnahme der Bezeichnung „Wirtschaft“ bedürfe einer verstärkten Pflichtbelegung. „Dennoch begrüßen wir die Erhöhung der Stundenanzahl in den Klassen 8 bis 10.“ Politische Bildung, aber insbesondere auch wirtschaftliche Kenntnisse seien heute wichtiger denn je und müssten unbedingt in höherem Maße auf die Stundenpläne der Oberstufe. „Methodenkenntnisse müssen Inhalt jedes Unterrichtsfaches sein und dürfen nicht in ein Seminarfach ohne jeglichen inhaltlichen Bezug abgeschoben werden.“

Der Abiturient fasst zusammen: „Durch die Reform werden die jungen Erwachsenen einen großen Teil ihrer Wahlfreiheit verlieren. Eigenverantwortung wird nicht mehr gefördert. Zudem wird zukünftig politische Bildung und wirtschaftliches Grundwissen weiter ein Stiefkind bleiben. Niedersachsens Gymnasien sind auf dem Weg von der Qualitätsschule zur Zwangsschule.“

Schüler Union Niedersachsen: „Oberstufenreform missachtet die Interessen der Schülerinnen und Schüler“ – Cordes: „Niedersachsen Gymnasien auf dem Weg von der Qualitäts- zur Zwangschule“

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